Artikel zu: WWW -- Hypertext und Multimedia

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Dieser Artikel erscheint im VIW WISS-script August 1995 (nicht-exklusiv). (c) Copyright Bruno Girschweiler

World Wide Web -- Hypertext und Multimedia

Von unserem USA-Korrespondenten Bruno Girschweiler (WISS-33), der vor kurzem von Cambridge zurückgekehrt ist. Er arbeitete dort vier Monate beim "W3 Consortium" als Gast am M.I.T. mit, wo die internationale Web-Weiterentwicklung koordiniert wird. Hier seine Einführung zum Thema "Information Superhighway".

BFG.- Der Mythos "Information Superhighway" ist Wirklichkeit geworden: das World Wide Web ist da, und vielleicht sieht die Zukunft unserer "Infobahn" tatsächlich so aus wie seine neuste Inkarnation auf dem guten alten Internet, das mit seiner "Volljährigkeit" einen wahren Boom erlebt. Von 20 Millionen Benutzern sprechen manche, es können auch mehr sein -- doch in Internet's weltgrösster Anarchie weiss das niemand so genau. Wichtiger ist denn auch die Tendenz, das fast exponentielle Wachstum.

Soviel Euphorie über etwas, das gar niemand braucht ? WWW, drei Buchstaben, und plötzlich soll sich die Welt rückwärts drehen ? U.S. Vizepräsident Al Gore stellte vor zwei Jahren seinen Bauplan einer "National Information Infrastructure" vor, und nun soll die bereits Realität sein ?

Eine Unmenge von Wissen der Menschheit ist weltweit zugänglich auf irgendwelchen Computern -- falls deren komplizierte Kommandos beherrscht werden... Diese schöne, offene Zugänglichkeit bleibt graue Theorie, solange die genetische Erbsubstanz des Menschen nicht an die individuellen Abfragesprachen angepasst worden ist.

Das menschliche Hirn funktioniert anders: assoziatives Denken hilft uns, auch bei grossen Informations-Massen den Durchblick zu behalten. Nun, genau das ermöglichen auch Hypertext-Techniken. Statt ratlos vor einem neuen Begriff zu stehen, tippen wir darauf und erhalten weitere Informationen zum Thema. Wie bei Querverweisen in einem Lexikon kann sich mensch nun durch ein komplexes Thema durchangeln und vom Hypertext-System weitere Erklärungen zu verwandten Themen fordern.

Das weltweite Internet ist Basis dieser Möglichkeiten -- die assoziierten Informationen können *irgendwo* anders auf der Erde sein, auf einem beliebigen Web-Server. Die Idee der Zerschmelzung von Hypertext und Multimedia ist realisiert, sie heisst World Wide Web. . Zudem sind, neben HTTP, "ältere" Internet-Protokolle wie FTP, Gopher und gar TELNET nahtlos integriert.

Damit ist die Grundlage für den weltweiten Siegeszug von Online-Diensten gelegt. Es wird eine stille Revolution sein, ähnlich bedeutend wie die Einführung der PC's vor 15 Jahren. Das Wachstumstempo in den Staaten ist hoch, die Schweiz übt noch ihre übliche Zurückhaltung... Wer ist schneller, http://www.whitehouse.gov *1), http://www.echo.lu *2) oder http://www.marktplatz.ch ?

(c) Copyright red house Bruno Girschweiler'

*1) Web-Server in Washington D.C. *2) European Commission Host Organisation


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Technischer Hintergrund: WWW-Protokolle

Erfindung und Verbreitung

BFG.- Am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf schlagen sich Physiker mit einer riesigen Informationsflut herum. Wie könnte die internationale Zusammenarbeit in diesem Wissensgebiet erleichtert werden, fragte sich der Engländer Tim Berners-Lee. Mit einem Hintergrund in Telematik und der Entwicklung von Textverarbeitungs-Software formulierte er "The Project", das 1990 in die Tat umgesetzt wurde. Es wurde möglich, von verschiedenen Terminals aus auf verwandte Informationen unterschiedlicher Computer zuzugreifen. Tim's Design basiert auf anerkannten Internet-Standards und ist erweiterbar, so dass der erste grafische Client eine logische Folge war. Geschrieben wurde er 1992/93 am NCSA im Staat Illinois, USA, und er machte das World Wide Web unter seinem Produktnamen Mosaic auf der ganzen Welt bekannt und beliebt. 1994 übernahm Netscape die Browser-Marktführerschaft, während das Web in Geschäftskreisen bekannt wurde und in den USA einen wahren Internet-Boom auslöste. (Business Week cover story 14-Nov-94: The Internet. (...) It will change forever the way you do business.)

Tim Berners-Lee ist nun Direktor des Web Konsortiums, dessen Gründung CERN und MIT im Juli 1994 vereinbarten. Das "W3 Consortium" (W3C) am M.I.T. geniesst eine ähnlich anerkannt neutrale Position wie seinerzeit das "X Consortium", welches X-Windows für die UNIX-Welt standardisierte. Die Marktkräfte sind allerdings stark: CompuServe kaufte Spry für satte 100 Millionen Dollars, und AOL, CIS, Prodigy (IBM) und Netscape investierten in Terisa Inc., um die Sicherheits-Standards S-HTTP und SSL zusammenzuführen. Mit neuer Software können sichere Geschäfts-Transaktionen über WWW abgewickelt werden, von der Bezahlung von Pizzas, Wetterbericht, Bankobligationen bis zu Unterwäsche und Mountainbikes. An einfacheren, neuen Zahlungsmitteln (ecash, DigiCash) wird ebenfalls gearbeitet, damit auch kleine Beträge einfach belastet werden können, beispielsweise einige Rappen für Informationsseiten.

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HTTP

HTTP, das Hypertext Transfer Protocol, basiert auf bewährten Internet-Standards. Besonders augenfällig ist der Gebrauch von URL's, Unique Resource Locators. Ein URL identifiziert eine Datenquelle irgendwo auf der Erde mitsamt dem nötigen Zugriffsprotokoll. So sind klassische Internet-Protokolle wie FTP und TELNET im Web integriert, indem in Web-Browsern beispielsweise

ftp://garbo.uwasa.fi/windows/util/winzip56.exe
das File Transfer Protocol aktiviert, das ein nützliches Komprimier-Tool auf den eigenen Windows-PC lädt.

Um eine Web-Seite von irgendwo auf der Welt zu holen, ist eine Adresse dieser Art nötig: http://www.unige.ch/
was die Eingangs-Seite ("Home Page") der Universität Genf im Lande CH abruft. Gelegentlich können solche Adressen ein bisschen lange werden, zB. http://www.w3.org/hypertext/WWW/People/BFG/ was eine Informationsseite des Autors bezeichnet. Gross-/Kleinschreibung ist wichtig, und so ist es viel bequemer, mit der Maus im Web herumzustöbern, zu "browsen". Auf BFG's Seite hat es beispielsweise ein Suchfeld, das nach weitere klickbare Links zu beliebigen Themen offeriert. Dass diese Informationen dann irgendwo von einem Web-Server in Washington kommen, ist ein irrelevantes Detail: Distanzen gibt es im Internet "nicht"... ___________________________________________________________________________

HTML

Hypertext Markup Language heisst die "Sprache", in der Web-Dokumente logisch gekennzeichnet werden. So bezeichnet <TITLE> den Dokumenten-Titel, der dann von Windows-Clients üblicherweise zuoberst im "Fensterbalken" angezeigt wird. Client/Server ist eh angesagt: ein Server unter Unix/Windows NT/MacOS oder Windows liefert Dokumente mit HTML-Codes sowie Grafiken, Soundfiles oder gar Kurzfilme, und sein Kunde in einem anderen Land nennt sich PC, Workstation oder Apple und ist zuständig für die grafische Darstellung, falls gewünscht. HTML 2 ist dokumentiert unter http://www.w3.org/hypertext/WWW/MarkUp/ . Bereits sind neue Möglichkeiten vom vorgeschlagenen HTML 3 in einzelnen Browsern zu finden, zB. Tabellen und mathematische Zeichen/Gleichungen. Der Entwicklungsprozess ist vollkommen offen, jedermann und jedefrau kann zur Arbeit von Dave Ragget, W3C und der IETF-Arbeitsgruppe zu HTML beitragen. Marc Andreessen und Jim Clark's Firma Netscape ist der Innovation vorangeeilt mit eigenen HTML-Erweiterungen wie <CENTER> und <BLINK>, die nicht aller Augen erfreuen... Ein zentrierter Paragraph wird im Standard gemäss HTML 3-Syntax wohl <P CENTER> heissen.

In den Anfangszeiten des Webs mussten Dokumente noch von Hand "codiert" werden, während nun 1995 eine wahre Flut von Software auf den Markt kommt. Beispielsweise erlaubt Navisoft's NaviPress ( http://www.navisoft.com ), das Web zu browsen, Dokumente unter MS-Windows, Unix oder Mac zu editieren und direkt übers Netz an den NaviServer zurück zu speichern !

Das neuste für Techno-Freaks schliesslich heisst VRML, Virtual Reality Modeling Language. Diese dreidimensionalen Darstellungen werden sich eines (fernen?) Tages als Standard-Desktop und WWW-GUI durchsetzen.

			76373.3506@compuserve.com (Autor via Internet)
			76373,3506   =  Bruno Girschweiler (CIS)
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Via CompuServe aufs WWW

1) Einsteiger
CompuServe offeriert 3 Stunden Internet-Zugang (WWW) gratis pro Monat. In den $ 9.95 (ca. Fr. 12.-) Monatsgebühr sind 90 email-Meldungen inbegriffen. CompuServe NetLauncher (CNL.EXE, WinCIM: GO NetLauncher) heisst der schnellste und einfachste Weg aufs Internet. In Zürich sind seit Juli 1995 auch 14'400 Baud möglich.
2) Internet-Abo
Weil weitere Stunden auf CompuServe $ 2.50 kosten, empfiehlt sich später ein Abonnement bei einem Internet-Lieferanten. Nach Fr. 25.-- monatlich fallen dann bei EuNet aber Fr. 4.20 pro Stunde an. CompuServe ist billiger !
3) Internet pauschal
Für eine Pauschalgebühr von zB. Fr. 45.-- kann auch zeitlich unbeschränkter Internet-Zugang erkauft werden. Auf dem Internet gibt es KEINE weiteren Minuten- oder Mengen- abhängigen Gebühren, auch emails sind also gratis.

CompuServe ist unter Telefon 155 31 79 oder 155 72 86 gratis erreichbar. Via VIW ist eine Einsteiger-Gutschrift erhältlich bei Alfons Hubmann, Fax 031 380 14 10, Telefon 031 380 14 30.

Stufe 2) Internet-Abo empfiehlt sich für ausgedehntere Reisen in CyberSpace via ISDN. Bereits viele Jahre im Markt ist EuNet, wo ein Zugang in Städten wie Genf, Lausanne, Bern, Zürich Fr. 25.-- monatlich kostet. Hinzu kommen 7 Rappen pro Minute (10 Rp werktags bis 21 Uhr bzw. 14/20 Rp. für 64 Kbps ISDN) sowie normale PTT-Telefongebühren.

Wenn Sie dann langsam auf den Geschmack kommen, so empfiehlt sich Stufe 3), ein pauschales Abo. Damit sind sämtliche Internet-Kosten (ausser PTT) bezahlt, sodass beispielsweise fürs Downloaden der "Professional Oracle" Datenbank-Umgebung keine weiteren Kosten entstehen ! ( http://www.oracle.com )
"Power-User" haben auch Möglichkeiten wie ISDN oder Telepac-Zugang (X.25-Netz). Ein solches Pauschal-Abonnements für Modem oder ISDN wird beispielsweise von der Internet Access AG in Zürich offeriert für 48 Franken. (01 / 446 33 33. Geplant sind auch SG, BS, BE, LU, Lsne)


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Auf dem Web browsen

Wo könnte ein Spaziergang auf dem Web beginnen ? Das WWW hat keinen "Anfang" und kein "Ende", jede beliebige "Home Page" kann als Ausgangspunkt dienen. Von jeder Seite aus kann eine Textstelle, ein Icon oder ein Teil einer grafischen Darstellung verbunden werden mit einer beliebigen anderen Stelle irgendwo sonst auf dem Internet. Ein Klick auf die Europakarte kann uns nach Frankreich, Paris und in den WebLouvre bringen oder via Bern ( http://www.marktplatz.ch/tages-anzeiger/ ) zur Fernausgabe des Zürcher Tages-Anzeigers. So las der Autor beispielsweise eines abends in Cambridge, USA über die Klima-Beilage im "Tagi" des nächsten Tages, während die Zürcher erst zu Bett gingen... Eine "Landeskarte" kann nützliche Dienste leisten: PC/Computing's "Webmap" ist grafisch ansprechend gestaltet und auch als Textversion abrufbar für langsamere Modems. http://zcias3.ziff.com/~pccomp/webmap/

All diese Web-Adressen (URL, Unique Resource Locator) sind reichlich kryptisch, daher erlauben die Browser das Abspeichern in Hotlists. Diese können in normale WebSeiten umgewandelt werden, so dass ich persönlich die obige Seite nur via http://www.w3.org/hypertext/DataSources/search.html

abrufe, wo meine frei zugängliche Link-Sammlung liegt. Diese Seite zeigt mein Browser als "Default", sobald ich ihn starte (Bei Spry Mosaic: Options / Configuration / Home Page). Ebenfalls dort verzeichnet sind eine ganze Reihe von Such-Diensten, von Yahoo über Pathfinder zum WebCrawler und wie sie alle heissen -- wählen Sie Ihre persönlichen Favoriten aus je nach Zweck !

Bruno Girschweiler,
http://www.w3.org/hypertext/WWW/People/BFG/


(*) Dieser Artikel       http://www.w3.org/hypertext/WWW/People/BFG/VIW-795.html
				Sämtliche erwähnten Links sind hier (dort)
				selbstverständlich mit Klick verbunden !

(*) Web Information http://www.w3.org/hypertext/DataSources/w3-index.html für Hintergrunds-Informationen über WWW, HTML, HTTP

(*) Wall Street Journal http://update.wsj.com Money & Investing Update

(*) NewsPage http://www.newspage.com filters 15'000 stories from 500 news sources every night (Uebrigens: AP ist bei CompuServe gratis dabei...)

(*) SSR-Flugreisen http://www.ssr.ch/ssr 10'000 Graumarkt-Flüge, Buchungen noch konventionell.

(*) Montreux Festival http://www.mhm.fr/festival/montreux fürs Jazz Festival 1995 mit Archiv bis 1967

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BFG, 21-Jul-95