W3C

Das W3C beginnt mit der Arbeit zur Vereinfachung der Erstellung von Inhalten in den Sprachen der Welt

Standards werden die Übersetzung und Anpassung von Inhalten im Web unterstützen



http://www.w3.org/ —7. März 2012— Viele der größten und erfolgreichsten Unternehmen nutzen das Internet, um Kunden in aller Welt zu erreichen. Das Bereitstellen von Informationen in den jeweiligen Landessprachen ist ausschlaggebend für ihr Geschäft. Das W3C kündigte heute neue Arbeiten zur Erleichterung der Erstellung von Web-Inhalten in den Sprachen der Welt an. Die neue Arbeitsgruppe MultilingualWeb–LT (Language Technology) Working Group wird Standardverfahren entwickeln, um die automatische und manuelle Übersetzung und Anpassung von Web-Inhalten an lokale Erfordernisse zu unterstützen, von der Erstellung der Inhalte bis hin zu ihrer Bereitstellung für die Endbenutzer.

Übersetzung: Ein wachsendes Milliarden-Dollar-Geschäft

Marktanalysen zeigen, dass kommerzielle Übersetzungen derzeit einen Markt von 21 bis 26 Milliarden US-Dollar im Jahr ausmachen, was weltweit grenzüberschreitende Geschäfte in Höhe von mehreren Hundert Milliarden US-Dollar ermöglicht. Für multinationale Unternehmen ist es oft erforderlich, Web-Inhalte gleichzeitig in Dutzende von Sprachen zu übersetzen. Öffentliche Einrichtungen aus Europa und Indien müssen gewöhnlich in vielen verschiedenen Sprachen mit den Bürgern kommunizieren.

Das Fehlen von Standards für den Austausch von Informationen zu Übersetzungen verursacht Schätzungen zufolge für die Industrie bis zu 20 % höhere Übersetzungskosten, wobei es sich um mehrere Milliarden US-Dollar handelt. Darüber hinaus bedeuten Hürden bei der Bereitstellung von Inhalten in mehreren Sprachen einen Verlust an Geschäftsgelegenheiten. Beispielsweise gibt eine Studie an, dass 51 % der europäischen Einzelhändler ihre Waren über das Internet verkaufen, jedoch nur 21 % von ihnen grenzüberschreitende Transaktionen unterstützen. Während 30 % der Europäer bereits im Internet eingekauft haben, haben jedoch nur 7 % einen Einkauf bei einem Händler aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat getätigt. Laut derselben Studie vermeiden es sogar mehrsprachige Internet-Benutzer, auf einer Website einzukaufen, die nicht in ihrer eigenen Sprache verfasst ist.

Mit zunehmender sprachlicher Vielfalt im Internet – Chinesisch, Russisch und Arabisch haben im vergangenen Jahrzehnt am stärksten zugenommen – wird auch der Übersetzungsbedarf ansteigen. Derzeit sprechen weniger als ein Drittel der Internet-Benutzer Englisch als Muttersprache, und dieser Anteil wird mit der wachsenden Ausdehnung des Internets weiter zurückgehen. Häufig verwenden die Benutzer bereits Online-Übersetzungs-Engines zur Unterstützung der On-Demand-Übersetzung, was es für die Entwickler von Inhalten noch wichtiger macht, diese nachgeschalteten Nutzungen ihrer Inhalte zu berücksichtigen.

Community versammelt vielfältige Erfahrungen im W3C

Zur Unterstützung dieser Trends muss die aufstrebende Open Web Platform (mit HTML5 als Basis) die Bereitstellung von Inhalten in mehreren Sprachen unterstützen und die Erstellung und Pflege von Übersetzungen erleichtern.

Zehn Organisationen sind W3C-Mitglieder geworden, speziell um Anforderungen zusammenzutragen und an neuen Standards für die Übersetzung und Anpassung von Web-Inhalten an lokale Erfordernisse zu arbeiten. Sie repräsentieren geografische Vielfalt sowie professionelle Übersetzungsdienste und Anbieter von maschineller Übersetzungstechnologie – beide ausschlaggebend für die Bereitstellung standardbasierter Lösungen. Da Entwickler von Inhalten, Lokalisierungsunternehmen, Experten für Sprachtechnologie, Browserhersteller, Toolanbieter und Benutzer versammelt sind, wird die Working Group allgemein unterstützte Lösungen für eine schnelle, hochwertige Übersetzung im Web finden. Durch die Ansiedlung dieser Arbeiten beim W3C wird sichergestellt, dass die Lösungen mit der Open Web Platform und mit mehrsprachigen Aktivitäten für Linked Data integriert sind. Dies bietet neue Möglichkeiten sowohl für kleine Übersetzungsagenturen als auch für große Anbieter von Sprachdienstleistungen.

Die Working Group wird mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, die hinsichtlich mehrsprachiger Problemstellungen aktiv sind, darunter das Unicode Consortium, das ETSI, die ISO und die OASIS.

Die kürzlich ins Leben gerufene Working Group wird vom neuen Projekt MultiLingualWeb-LT unterstützt, das auf dem früheren, vom W3C geleiteten Projekt MultilingualWeb aufbaut. Beide Projekte, MultilingualWeb und MultilingualWeb-LT, erhalten Unterstützung von der Europäischen Union. Ein Schwerpunkt der EU besteht in der Schaffung eines digitalen Binnenmarktes im Web. Studien decken auf, dass die Überbrückung von Sprachbarrieren für dieses Vorhaben ausschlaggebend ist.

Über das World Wide Web Consortium (W3C)

Das World Wide Web Konsortium (W3C) ist ein internationales Konsortium, in dem Mitgliederorganisationen, ein Vollzeit-Mitarbeiterstab und die Öffentlichkeit zusammenarbeiten, um Web-Standards zu entwickeln. W3C verfolgt seine Aufgabe hauptsächlich über die Erstellung von Web-Standards und Richtlinien, die gedacht sind, das Langzeitwachstum des Webs sicherzustellen. Über 340 Organisationen sind Mitglieder des Konsortiums. W3C wird gemeinschaftlich vom MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (MIT CSAIL) in den USA, dem European Research Consortium for Informatics and Mathematics (ERCIM) mit Hauptsitz in Frankreich und der Keio University in Japan geführt und besitzt weltweit zusätzliche Niederlassungen. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.w3.org/.

Kontakt

Ian Jacobs, <w3t-pr@w3.org>, +1.718 260 9447